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STEFAN GLOWACZ ::: Hoch hinaus

Kletterer, Abenteurer und vor allem ein Mann klarer Worte: Stefan Glowacz über Werner Herzog, Bruce Chatwin, Kochen à la Jamie Oliver und David Lamas Maxi Cosi. 

 

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Du hast Kletterrouten rund um die Welt erschlossen, warst Du eigentlich schon mal im Himalaya?

Bislang noch nicht, nein. Mich ziehen eher die entlegenen, unentdeckten Gebiete der Erde an. Baffin Island, die Arktis oder Grönland zum Beispiel. Der Himalaya schreckt mich mit seiner massentouristischen Infrastruktur und seinen Sherpas eher ab, er ist ja doch schon sehr überlaufen. Dennoch würde ich gern mal in absehbarer Zukunft hinfahren.

 

Du hast in einem Film von Werner Herzog mitgespielt („Schrei aus Stein“, 1991). Wie empfandest du die Arbeit mit ihm?

Als äußerst angenehm. Werner ist einfach unglaublich gelassen, er ereifert sich nie. Außerdem, und damit steht er uns Kletterern nahe, ist er besessen von dem, was er macht. Ohne diese Besessenheit wären so großartige Filme wie „Fitzcarraldo“ und „Aguirre, der Zorn Gottes“ nie entstanden.

 

 Welche Erinnerungen hast Du an die Dreharbeiten?

Es war zeitweise sehr spannend: Einmal waren wir auf einem hohen Grat des Cerro Torre in Patagonien. Dann kam Sturm auf, Orkanböen mit Schnee. Binnen zwei Minuten waren alle Zinnen in weiße Wolken gehüllt. Wir wussten nicht, ob wir je, geschweige denn wie, wir wieder runterkommen würden. Alles, was wir auf dieser 1000-Meter-Wand mit hatten, waren 20 Meter Seil und Equipment für einen. Wir waren schließlich mit dem Helikopter für Aufnahmen dort rauf geflogen worden. Drei Tage saßen wir im „Schrei aus Stein“ fest und kauerten uns in eine Eishöhle. Die Aussicht, am Berg verloren zu sein, war latent. Dann erkannte das Team im Basecamp eine 20-minütige meteorologische Lücke im Sturm und flog uns aus.

 

Apropos Patagonien. Kennst Du das Patagonienbuch des Reiseschriftstellers Bruce Chatwin (1940-1989)? Werner Herzog hat ja auch einen Film („Cobra Verde“, 1987) nach einer Chatwin-Vorlage gedreht.

Ja, schönes Buch, es hatte aber so einen melancholischen Touch, der mir nicht gefiel.

Stefan, frei und in klassischer Pose in der Route Kachoong am Mt. Arapiles, down under.
Stefan, frei und in klassischer Pose in der Route Kachoong am Mt. Arapiles, down under.

 

Kannst du Dich noch an den Entstehungsprozess Deines Fotobuches „Rocks Around The World“ mit Uli Wiesmeier erinnern?

Ja, klar. Zwei Jahre lang waren wir auf der ganzen Welt unterwegs. In Ostdeutschland, Südfrankreich, Wales, Australien, Japan und an der amerikanischen Westküste.

Wir waren von der Idee besessen, ein Buch zu machen, dass Lust drauf macht, die Wände hochzugehen. Es war extrem anstrengend, aber dafür konnte sich das Ergebnis auch sehen lassen. Uli ist mittlerweile einer der respektiertesten Bergsport-Fotografen der Welt. Sein Einsatz rechtfertigt seinen Erfolg.

 

Welche Beziehung hast du zum Wilden Kaiser in Tirol?

Der war eine Zeit lang so was wie mein Hausberg. Drei Jahre lang war ich jedes Wochenende dort, meistens in der Gegend des Fleischbankpfeilers. Seither gibt es dort eine Route, die von mir und Wolfgang Müller benannt wurde: „Des Kaisers neue Kleider“ (X+/8b+).

 

Wie schätzt Du David Lama als Kletterer?

David kenne ich schon, seit er ein kleiner Fuzzy war und im Maxi Cosi unter der Wand hing, während ich mit seinen Eltern klettern ging. Ich trainierte Anfang der Neunziger Jahre in Innsbruck in der Tivoli-Kletterhalle. David war auch schon öfter da. Und kaum konnte er laufen, kletterte er. Das Sichern hatte er bald raus, obwohl er noch so klein und leicht war. Einmal sicherte er mich vom Boden aus. Und als ich mich ins Seil fallen ließ, riss es ihn gleich ein paar Meter vom Boden weg. Im Lauf der Jahre wurde er dann zum Glück größer, stärker und immer besser. Schließlich überholte er mich beim Klettern von links und rechts. Mittlerweile macht er sich ja als Alpinist einen Namen.

 

Du bist ein Fan der Red Hot Chili Peppers. Welche Phase und welches Album sind Dir am liebsten?

An der „Californication“ habe ich mich tot gehört, meine momentane Lieblingsplatte ist die „Stadium Arcadium“, das Doppelalbum. Ich habe sie auch schon live erlebt. Die haben unglaubliche Energie. Man merkt dass sie viel Sport machen müssen, um eineinhalb Stunden lang dermaßen Vollgas geben zu können. Aber sie sind ja von der Lebensführung her in den letzten Jahren sehr auf ihre Gesundheit bedacht. Wie man hört, war das ja nicht immer so…

 

Apropos Gesundheit: Was kommt bei Dir daheim auf den Tisch? Und kochst Du auch selbst?

Ja gern sogar. Ich bin ja schon lange Selbstversorger beim Essen, aber meistens dominierten in meiner Küche Wiener Schnitzel, Salate und Spaghetti. Das änderte sich aber schlagartig, seit meine Kinder alt genug sind, um sich zu beschweren. Also nehmen wir nun jeden Tag Jamie Oliver zur Hand. Die Kids entscheiden dann, was es am Abend geben soll. Ich düse los zum Einkaufen und koche dann à la Jamie.

 

Wie sieht’s mit Snowboarden aus?

Dafür habe ich im Moment sehr wenig Zeit. Für die Baffin Island-Expedition wollte ich zunächst gut mit dem Kite umgehen können, also habe ich mich da reingehängt.

 

Bist Du mit dem bayrischen Snowboard-Helden Peter Bauer bekannt, der ja bei sich zu Hause am Chiemsee kitet?

Ja, dem Peter bin ich schon ein paar Mal über den Weg gelaufen. Der ist sehr nett, eine Zeitlang liefen unsere Berufswege parallel in die Weltöffentlichkeit. Er als Snowboarder, ich als Kletterer.

 

Welche Charakterzüge schätzt Du an Deinen Freunden?

Gelassenheit und Uneitelkeit im Sinne von Bescheidenheit. Die Leidenschaft für das, was sie machen. Und wenn aus Freunden Partner am Berg oder in der Eiswüste werden: hundertprozentige Fitness.

 

www.glowacz.de

(Erschienen, in anderer Form auf redbull.at im November 2012)

 

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