Skip to content →

DAVID LAMA ::: Karakorum Expedition 2012

David Lama (22) ist gerade aus dem Karakorum-Gebirge in Pakistan zurück, einer wüsten, zerrissenen Bergwelt Hochasiens. Im Gepäck hat er zwei großartige Gipfelerfolge: den 6, 251m hohen Trango Tower über die Route „Eternal Flame“ und die wolkenverschleierte Chogolisa, den schönsten Dachfirst der Welt – oder, wie er selber es ausdrückt: ein zaches Luder.

 

David Lama am Trango Tower in Pakistan. © Peter Ortner
David Lama am Trango Tower in Pakistan.
© Peter Ortner

 

David, 2011 warst du im indischen Kaschmir Himalaya, wo du gemeinsam mit den Schweizern Stef Siegrist und Denis Burdet den 6,155m hohen Cerro Kishtwar bestiegen hast. Ist die Gegend dort im Vergleich zum Bergsteiger-Walhalla des pakistanischen Baltoro Gletschers, wo du bei diesem Trip unterwegs warst, vergleichsweise unentdeckt?
Um zum Cerro Kishtwar zu gelangen, mussten wir drei Tage lang entlang eines Flusses durch ein menschenleeres Tal hiken. Wegen dem Grenzkonflikt zwischen Pakistan und Indien war die Gegend 20 Jahre lang für Reisende gesperrt, erst vor kurzem ist sie wieder zugänglich. Anders der Baltoro-Gletscher, der unbewohnt ist, aber von unzähligen Trekkinggruppen besucht wird. Dort verlässt du auf ca. 3000m Seehöhe Askole, das letzte Dorf, um dann noch zwei, drei Stunden zum Gletscher zu wandern.

Euer erstes Ziel im Karakorum war die Trango-Gruppe, die ein Mekka für Bergsteiger ist. Wie gut besucht war dieses Gletscher-Seitental?
Beim Trango war schon ein wilder Zugang, allerdings gab es dort keine Trekkinggruppen, sondern Bergsteigerteams aus aller Herren Länder.

Wer waren deine Kletterpartner im Karakorum?
Peter Ortner, mein Partner, mit dem ich am Cerro Torre in Patagonien war, war immer dabei. Am Trango war noch ein dreiköpfiges Filmteam dabei: Kameramann Corey Rich, Andrew Peacock und Remo Masina.

 

Clip: A New Perspective: David Lama und Peter Ortner am Trango Tower.

 

Wie ging es euch diesmal mit der Höhen-Akklimatisierung?
Es ist uns allen gut gegangen. Gleich einen Tag nach unserer Ankunft im Basecamp starteten Peter und ich einen Erstbegehungsversuch am Trango Monk. Hundert Meter unter dem Gipfel mussten wir uns aber eingestehen dass wir noch nicht ausreichend akklimatisiert waren. Vor allem für Peter war es die erste Expedition zu einem hohen Berg – von dem her wusste er noch nicht wie sein Körper in der Höhe funktioniert.

Ein paar Tage später starteten wir dann einen Versuch am Great Trango, bei dem wir wiederum kurz unterhalb des Gipfels umdrehen mussten. Dieses Mal war allerdings ein plötzlicher Hitzeeinbruch, der für zahlreiche Lawinenabgänge sorgte, der Grund für den Rückzug. Wegen des sehr schneereichen Winters und des feuchten Frühlings war viel Schnee und Eis in den Wänden, was uns sehr leicht zum Verhängnis hätte werden können.

 trango_tower

 

Wie lange habt ihr dann schlussendlich für euer eigentliches Ziel, die Route „Eternal Flame“, auf den 6. 251 m hohen Trango (auch Nameless) Tower gebraucht?
Einen Tag bis zur „Sonnenterrasse“, die wir über 400 Meter im achten Schwierigkeitsgrad erreichten. Dort biwakierten wir, und am nächsten Tag (30. Juni 2012; Anm.) brauchten wir weitere zehn Stunden für die verbleibenden 600 Meter. Trotz der vielen Teams in der Wand war das Klettern der „Eternal Flame“ für mich eines der besten Erlebnisse in diesem Jahr.

Das nächste Ziel für Peter und dich war die 7.668 m hohe Chogolisa, die 1957 Hermann Buhl das Leben kostete, als er mit einer Wechte in die Nordwand abstürzte. Wie eingehend hast du dich mit dieser tragischen Heldenfigur befasst?
Natürlich kennt und achtet man als Bergsteiger Hermann Buhl für seine Erstbegehungen (Maukspitze Westwand im Wilden Kaiser, Winterbegehung Marmolada-Südwestwand, Aiguilles von Chamonix Gesamtüberschreitung, Alleinbegehung der Nordostwand des Piz Badile, die 8. Durchsteigung der Eiger-Nordwand bei widrigsten Bedingungen, Tofana Südost-Pfeiler, Nanga Parbat-Erstbesteigung nach 41-stündigem Alleingang, Erstbesteigung des Broad Peak etc.; Anm.). Aber ich versuche, immer mein eigenes Ding und gehe nicht gern in den Spuren von jemand anderem. Wir wollten nicht auf die Chogolisa um einfach nur oben zu stehen oder um sagen zu können, wir waren auf über 7000 Metern. Wir wollten hinauf um uns zu spüren, für uns selbst herauszufinden, wie wir uns dort oben fühlen würden. Uns beiden war klar, dass es uns nicht um Höhenangaben geht und es nicht unser Ziel ist, einmal im Leben am Everest zu stehen. Doch wir wollten einiges an Höhenerfahrung gewinnen, um unsere zukünftigen Kletterprojekte zu realisieren.

 

Clip: David und Peter auf der Chogolisa.

 

Vor welche Herausforderungen hat euch die Chogolisa gestellt?
Die Chogolisa zeichnet sich nicht so sehr durch technisch schwierige Stellen aus, als eher dadurch, dass sie eine verdammt mühsame Stapferei darstellt. Du stapfst 20 Schritte durch den teils hüfthohen Schnee und musst dann zwei Minuten Pause machen – die 7000 plus Meter über dem Meer merkst du bei Schritt und Tritt. Pakistanische Einheimische gaben uns den Tipp, einen Steinbock zu schießen und sein Fleisch zu essen, was anscheinend vor der Höhenkrankheit wappnet. Aber abgesehen davon, dass ich nicht wirklich daran glaube, konnten wir es nicht probieren: ein Steinbock lässt sich schließlich nicht einfach mit den Händen fangen. Zu der extremen Höhe kommt natürlich auch das Wetter dazu, Schlechtwetter bekommt man in dieser Region genügend ab: Von 18 Tagen im Basecamp am Vigne Gletscher unter der Chogolisa hat es an 14 Tagen geregnet oder geschneit. Trotz seiner relativen Einfachheit sind wir deshalb stolz auf den Gipfel – es war ja auch seit 1986 niemand mehr oben.

David and Peter on the ridge that connects the two peaks of roof shaped Chogolisa. ©Peter Ortner
David and Peter am Dachfirst der Chogolisa (7668m).
©Peter Ortner

Wirst du in die „Thronhalle der Götter“, wie das Karakorum von Bergfexen genannt wird, zurückkehren?
Ja, Peter und ich haben den einen oder anderen Gipfel dort bereits ins Visier genommen. Im Vergleich zu den Alpen sind die Wände des Himalaya riesige Spielwiesen. Es ist aber eher diese Freiheit, die du bei der Wahl deiner Linien durch die Wände hast, die mich anzieht. Nicht so sehr die Geschichtsträchtigkeit des einen oder anderen Gipfels – man kommt ja ohnedies schwer umhin, die Verbundenheit eines Berges mit seinen Besteigern aufzulösen. Von sich selber aus ist kein Berg schön oder gefährlich. Es sind wir Menschen, die sagen, dass ein Berg schön oder gefährlich ist. Es hängt alles mit uns zusammen.

 

chogolisa-j-c-gimeno

 

 

 

 

 

www.davidlama.com

Diese Interview erschien in geänderter Form auf redbull.com.