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::: Coocoola von Sikkim :::

LACHAM KUSHO

DIE MIT DEN GÖTTERN GEHT

 

Coocoola von Sikkim war eine tollkühne Tochter Tibets. Sie verkörperte Integrität, Anmut und Mitgefühl. Heinrich Harrer (Sieben Jahre in Tibet) sah in ihr die ideale Balance zwischen dem alten Osten und der westlichen Moderne. Coocoolas Lebensgeschichte beginnt wie ein mittelalterliches Märchen und endet wie ein weltpolitischer Thriller. Lebensbild einer faszinierenden Frau, die zweimal ihre Heimat verlor und dennoch nie resignierte.

 

 

 

Weiße Wolkenbausche schmiegen sich in dunkelgrüne Bergflanken. Dicke Nebel des Spätmonsun ziehen in Zeitlupe durch Teeplantagen und Reisfelder. Wir befinden uns in der mondänen, britischen Hillstation Darjeeling, im Norden Indiens. Über allem thront der dritthöchste Berg der Welt: der fünfgipfelige Kangchendzönga (8586 m), „die fünf Schatzkammern des Schnees“. Seine machtvolle Gegenwart lässt sich um diese Jahreszeit nur am Horizont erahnen.

 

 

Hier wird am 6. September 1924, im Tibetischen Jahr der Holz-Maus, Prinzessin Coocoola geboren. Die Nachwelt kennt ihren vollen Namen als: Semla (Prinzessin) Pema Tsedeun Namgyal Yabshi Phönkhang, ihr spiritueller Beiname ist Lacham Kusho („edle Konsortin der Götter“). Doch schon in ihrer Kindheit findet eine englische Gouvernante beim Versteckenspielen einen bleibenden Spitznamen für sie – Coo-Coo-La.

Coocoolas Vater ist der Chögyal (König) von Sikkim, Tashi Namgyal (1893 – 1963), ein filigraner Landesfürst und feinsinniger Landschaftsmaler mit einem Hang zur Melancholie, der sich schon mal, noch lange vor der Cocktail-Stunde, einen oder zwei hinter die güldene Binde kippt, um die Last der Repräsentation schultern zu können. Mit den zahlreichen Geistern des königlichen Palastes von Gangtok pflegt er guten Kontakt, bei Nacht und auch am hellichten Tag. Gleich ihnen schwebt er lautlos durch die Palustraden.

Auf allen Fotos, die es von ihm gibt, wirkt der Chögyal von Sikkim, man kann es nicht anders sagen: entrückt. Auch trägt er auf fast allen Aufnahmen runde verdunkelte Brillen. Seine hypnotischen, mit mystischen Vignetten verzierten Gemälde von violetten Gletschern, blaugrünen Seen und gelben Sonnenhimmeln sind im Stil eines Nicholas Roerich (mit dem er bekannt ist) oder eines Rockwell Kent (den er bewundert) gehalten. Was ihnen fehlt, ist Dreidimensionalität, was möglicherweise auf ein Augenleiden zurückzuführen sein dürfte – der malende Monarch ist auf dem rechten Auge fast blind.

Er stammt aus dem tibetischen Vasallen-Geschlecht der Namgyal (wörtl.: „die Siegreichen“), deren Vorfahre Guru Tashi, ein Tanguten-Prinz, im 13. Jahrhundert aus Kham in Osttibet über den Himalaya nach Süden wanderte. Die Namgyal sind Priester-Könige, Himalaya-Hochadel. Seit dem 17. Jahrhundert beherrschen sie nicht nur Sikkim, sondern auch Bhutan und Ladakh auf Erlass Lhasas.

Die Sikkim Royal Family, 1926: Tashi Namgyal mit seinen Söhnen Choley (l.) und Palden Thondup (r.). Daneben seine Frau, Kunzang Dechen Tshomo, mit Kula (Pema Chöki) auf dem Schoß und Coocoola zu ihren Füßen.

Coocoolas Mutter, Kunzang Dechen Tshomo, ist eine wesentlich robustere Person und eine resolute Persönlichkeit. Sie ist einerseits ebenfalls eine Namgyal, andererseits aus der uralten, zentraltibetischen Familie der Ragashar (wörtl.: „strahlend“, „schön“) aus Dokhar stammend, die sich in direkter Linie auf eine der sechs Urfamilien Tibets, die Ghazie-Sippe, bezieht.

Die Legende sagt, diese sechs Familien seien aus der Liebschaft zwischen zwei halbgöttlichen Wesen entstanden: Einem der Sprache und der Teleportation mächtigen Affen und einer durch die Sphären tanzenden Dakini (oder „Khandroma“), also einem veritablen Dämonenmädchen. (* siehe Bonus)

Der Familie Ragashar gebürt aufgrund dieser Legende seit Menschengedenken in Lhasa ein Familienhaus direkt gegenüber des Tschoglakhang, Tibets heiligstem Tempel. Die Töchter des Hauses stehen in hohem Ansehen unter den Aristokraten und sind gesuchte Schmuckstücke zur Verzierung des eigenen Stammbaumes. Sie gelten auch als genealogische Stärkung desselben, denn die Ragashar-Frauen sind überwiegend von ausgeglichenem Temperament, voll Standesbewusstsein und Stattlichkeit.

Hohe Kabinettsminister des Dalai Lama und reiche Kaufleute in Lhasa und Shigaze halten regelmäßig um die Hand einer Ragashar an. So auch Tashi Namgyal, der XI. Chögyal von Sikkim, dem die Ragashar-Tochter Kunzang Dechen Tshomo nach Gangtok folgt und ihm drei Söhne (Kunzang Paljor a.k.a. Choley, Palden Thondup und Jigdal Tsering a.k.a. George) und drei Töchter (Pema Tsedeun a.k.a. Coocoola, Pema Chöki a.k.a. Kula und Sonam Palden a.k.a. Jeanla) schenkt. Weil sie durch eine außereheliche Beziehung mit einem Mönch noch eine weitere Tochter hat, lebt sie von ihrem Gatten getrennt in der Nähe von Gangtok.

 

Marktszene in Sikkims Hauptstadt Gangtok, ca. 1950.

 

Coocoola ist ein neugieriges, dickes und freundliches Kind. Wie ihre Geschwister wird sie traditionell im St. Joseph’s Convent in Kalimpong, einer der besten britischen Schulen Indiens erzogen. Sie fängt mit 13 an, auszugehen (in Sikkim ist Alkohol nicht so tabu wie in Indien), beginnt zu rauchen, liest europäische Literatur (Stendhal, Dante und Kipling), sieht heimlich Kinofilme mit Marlene Dietrich und Greta Garbo.

Ihre Teenager-Jahre verbringt sie, aufblühend wie eine wilde Orchidee, in Kalimpongs internationaler Atmosphäre voller indischer Händler, geheimnisvoller europäischer Reisender und Spione aller Großmächte jener sich mit Spannung aufladenden Epoche. Wie tektonische Platten wälzen sich die weltpolitischen Kraftfelder aufeinander, das Beben kann nicht mehr fern sein. Auch die Königskinder Sikkims spüren das.

Sikkims König Tashi Namgyal malt Coocoola, seine älteste Tochter, im Garten des Palastes.    Foto: Palden Thondup

Russland, China und Großbritannien buhlen mehr oder minder offen um das an Mineralien und Bodenschätzen reiche Tibet, den Wasserturm Asiens. Mehr als drei Milliarden Menschen in Südostasien leben vom Wasser der acht Flüsse, die der Hochebene Tibets entspringen. Verewigt in einer uralten ikonographischen Kultur, geprägt von der urwüchsigen animistischen Religion des Bön und gezähmt von der barmherzigen Botschaft Buddhas, ist Tibet zu jener Zeit eine unabhängige Theokratie. Beinahe unabhängig.

Denn der Völkerbund hat trotz des XIII. Dalai Lamas Ansuchen auf Anerkennung staatlicher Selbstständigkeit im Jahre 1913 keine eindeutige Antwort gegeben. Zu groß sind die heimlichen und weniger heimlichen Interessen der Großmächte am Zugriff auf Tibet, das immerhin eine eigene Regierung mit Ministerrat, eigene Briefmarken, Reisepässe, Gesandte, eine eigene Nationalflagge und vor allem eine eigene Währung (Srang) hat – alles Insignien der Souveränität, die etwa China seit dem Boxeraufstand 1911 und dem Niedergang des Kaiserreiches nicht mehr vorweisen kann.

Die Briten unternehmen unter dem machtverblendeten Superimperialisten Lord Curzon und dem religiös abgehobenen General Younghusband bereits 1903 eine ebenso hinterfotzige wie grausame „Expedition“ nach Tibet, um einem vermeintlichen Feldzug der Russen zuvor zu kommen. Der englische Schriftsteller und China-Korrespondent der Times, Peter Fleming (Bruder von James-Bond-Erfinder Ian), wird später in seinem Vorwort zur englischen Erstausgabe von Heinrich Harrers Sieben Jahre in Tibet von einem Feldzug sprechen, der „sowohl von Wagemut als auch von Mitmenschlichkeit geprägt war“.

Tatsächlich zeigen die britischen Truppen wenig Mitmenschlichkeit als sie die Grenze nach Tibet überschreiten und einer kleinen Heerschar gegenüberstehen. In einem Massaker mähen die Briten mehr als tausend schlecht bewaffnete Tibeter mit Maxim-Maschinengewehren nieder (zum Großteil durch Rückenschüsse, als die meisten der tibetischen Soldaten bereits flüchten) und es gelingt ihnen, eine Handelsmission in Lhasa zu errichten. Alle Kontaktaufnahmen zum XIII. Dalai Lama waren bis dahin gescheitert, und zwar am Unwillen der Tibeter, den Briten zu antworten. Ein einziges Kuvert aus dem Potala Palast hatte London erreicht, sein Inhalt: eine bröselige Brise Yak-Dung.

Als Younghusband 1904 mit seinen Truppen vor Lhasa lagert, ist der XIII. Dalai Lama bereits in die Mongolei geflüchtet. Verhandlungen über ein britisches Protektorat und den Bau einer Straßenverbindung zwischen Tibet und Indien kommen daher nicht zustande. Verständlicherweise hält London sich seither in der Frage um ein unabhängiges Tibet diplomatisch zurück. Jedoch nur vordergründig: Durch einen Vertrag mit der Mandschu-Dynastie im Jahr 1906 über die Unantastbarkeit Tibets und ein zweites Abkommen mit Russland im Jahr darauf, das den Chinesen Hoheitsrechte über Tibet einräumt, sorgen die Briten für eine noch heillosere Verwirrung um die Eigenständigkeit Tibets.

Auch die politische Situation Sikkims, dessen Grenze wenige Kilometer nördlich von Darjeeling und Kalimpong verläuft, ist seit vielen Jahrzehnten unklar. Das kann schon dadurch verdeutlicht werden, dass die beiden Orte einst zu Sikkim gehörten und von Britisch-Indien „geleast“ wurden, wenn auch ohne zeitliche Begrenzung und ohne Gegenleistung – außer dass es das winzige Land (Sikkim ist in etwa so groß wie das österreichische Bundesland Salzburg) vor einer militärischen Annexion verschont.

Der Berg-Zwergstaat zwischen Nepal und Bhutan steht auf diese uneindeutige Weise seit der Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Protektorat Britisch-Indiens. 1868 wehren die Briten einen Einfall der Tibeter ab, die sich die Oberhoheit über Sikkim zurück erobern wollen. 1918 erhält Sikkim die volle Selbstverwaltung und wird 1922 Mitglied im Chamber of Princes, der Vereinigung aller indischen Fürstentümer. Tashi Namgyal ist somit als anerkannter Herrscher seines winzigen Landes etabliert, er führt freie Wahlen ein, beginnt das Land zu reformieren und engere Handelsbeziehungen an Indien zu knüpfen.

Das ist die Welt, in der Prinzessin Coocoola mit ihren Geschwistern aufwächst. Gegen ihre beiden älteren Brüder, die voller Schabernack sind, muss sie sich schon früh durchsetzen. Die Familie ist nicht ohne Spleens und reich an individuellen, starken Persönlichkeiten. Doch ausnahmslos alle Mitglieder des Namgyal-Clans von Sikkim sind von Gütigkeit, gelegentlich sarkastischem Humor und leidenschaftlicher Kultiviertheit. Es würde der skurrilen Ingenuität eines Wes Anderson als Regisseur bedürfen, wollte man das Alltagsleben im Royal Palace von Gangtok adäquat kunstvoll und komisch für das Kino umsetzen.

Palden Thondup interessiert sich für Technik, ist leidenschaftlicher Leica-Fotograf, dessen Bilder im National Geographic Magazine veröffentlicht werden, und Amateurfunker mit internationaler Lizenz, noch dazu verfügt er über ein großes buddhistisch-philosophisches Wissen. Er will in Cambridge wissenschaftliche Fächer belegen und danach Mönch in einem der drei großen Abteien Lhasas werden.

Doch genau wie seinem Vater, Tashi (dessen älterer Bruder Sidkeong 1914 an Gelbsucht erkrankte und einer Rosskur mit intravenös verabreichtem Brandy zum Opfer fiel), wird ihm diese Berufung zu einem beschaulichen Leben verwehrt. Als der älteste Sohn Tashi Namgyals, der ausgebildete Pilot Choley Paljor, 1941 bei einem Luftgefecht über Peshawar abstürzt, steht Thondup als Nachfolger auf den Thron Sikkims fest.

 

Drei Grazien: Die Königstöchter Sikkims, v.l.n.r.: Pema Chöki (Kula), Pema Tsedeun (Coocoola), Sonam Palden (Jeanla).   Foto: Pinterest

 

Der jüngste Bruder Jigdal Tsering, genannt George-La, leidet unter Panikattacken. Er ist von rührendem Charakter aber von der vergeistigten Weltabgewandtheit des Vaters, oder – wer weiß das schon – mit der übersinnlichen Zuwendung zu einer ewigeren, zeitloseren Welt gesegnet;  einer Welt jenseits von Politik, Ränken und Eitelkeiten.

Als er verheiratet werden soll, ist es seine älteste Schwester Coocoola, die ihn bei einer Gartenparty in Kalimpong mit einer Reihe würdiger junger Damen bekannt macht. Es gelingt ihr, ihn schließlich mit einer entzückenden Tibeterin namens Suang-La zu verkuppeln. Auch die jüngste Schwester Jeanla ist von zutiefst zurückgezogenem Charakter, spricht wenig und geht kaum außer Haus. Sie wird dennoch, wenn auch spät in ihrem Leben, Mutter eines Jungen, der als hohe Reinkarnation anerkannt wird.

Pema Chöki (oder „Kula“, wie sie in Gangtok genannt wird), Coocoolas mittlere, um 15 Monate jüngere Schwester, ist extrovertiert, belesen und wahnsinnig hübsch. Wie Jeanla ist sie dem Vater nachgeraten, mit schmalem Gesicht, ein paar reizenden Muttermal-Tupfern um die Mundwinkel und einer raschen Auffassungsgabe. Sie wird eine der besten Schülerinnen in ganz Westbengalen und für einige Jahre Lehrerin an der Grundschule von Gangtok.

Fosco Maraini, der Florentiner Fotograf, Poet und Gelehrte, lernt die junge Kula bei seiner Durchreise als Mitglied einer Expedition Giuseppe Tuccis kennen, als diese in Gangtok Zwischenrast macht, bevor es in die glühenden Hochebenen Tibets geht.

Kula, Coocoolas jüngere Schwester, beim Skifahren am Nathu-La, 1948.
Foto: Fosco Maraini

In seinem Klassiker Secret Tibet (1952), dessen ikonisches Cover Kula in einer traditionellen tibetischen Fellmütze ziert, beschreibt Maraini Sikkim in schönsten Farben – dampfende, atmende, verdauende Dschungel; hunderte Arten von Schmetterlingen; steile, waldige Berghänge und eine fast feuerwerkartige botanische Vielfalt; die winzige Märchenstadt zwischen zwei Hügelkuppen und der dazugehörige Märchenpalast – auch wenn dieser eher an einen größeren Bungalow erinnert.

Beim Abendessen im Palast von Gangtok beobachtet er den alten, ehrwürdigen König, der in delikaten Manövern mit einer Erbse kämpft, die sich nicht und nicht auf eine Gabel aufspießen lassen will. Er freundet sich beim Digestiv am Feuer mit Kula an und sie erwidert ebenso ungeniert wie arglos seine Flirtversuche, ohne sich jedoch auch nur für eine Sekunde zu kompromittieren.

Sie ist vielmehr fürsorgliche Gastgeberin und weltgewandte Abgesandte ihrer tibetischen Kultur, die ihm bei seiner Rückkehr nach Gangtok frisches Obst und ein Grammofon mit Musik von Mozart, Brahms und Scarlatti ins Zelt bringen lässt („Ich badete in den Klängen wie in einem frischen, klaren Bach, nach all dem Staub, Schweiß und Mühsal“, schreibt Maraini). Die beiden unterhalten sich über europäische Literatur, Milarepa, die Eigenarten des Tibetischen Götterhimmels und ihren Verlobten, dem sie bald nach Lhasa folgen wird.

Coocoola wird mit 16 verheiratet, also sehr früh, so wie es Brauch bei den Tibetern ist. Eigentlich will Coocoola studieren, doch dann kommt ein Brief aus Tibet für sie im Palast von Gangtok an. Das heraldische Siegel zeigt fünf Yakschwänze – höchster Lhasa-Adel. Sey Kusho Gompo Tsering Phönkhang, genannt Phöntsok, Gouverneur von Gyantse und ältester Sohn einer einflussreichen Yabshi-Familie, die bereits zwei Dalai Lamas hervorgebracht hat, wünscht sich eine Sikkimesische Prinzessin zur Frau. Chögyal Tashi macht seiner Tochter keinen Druck. Er gestattet Coocoola, ihr Studium zu beginnen, doch die Phönkhangs bestehen auf eine baldige Hochzeit.

Coocoola bei ihrer Hochzeit, 1941, mit ihrer Tante Chöni Dorji, der späteren Königin von Buthan.

Coocoola stellt nun eine eigene, im polyandrisch geprägten Tibet so gut wie nie geäußerte Bedingung: Sie werde nur den ältesten Sohn, Gompo Phöntsok, ehelichen und nicht zusätzlich dessen jüngeren Bruder. Vielmännerei „entspreche nicht ihren Ansichten“.

Als die Schwiegereltern ihr bei der Hochzeit auch den jüngeren Bruder zur Seite setzen, wiederholt sie ihre unerhörte Forderung. Coocoola geht somit als erste Frau in die Geschichte Tibets ein, die auf ihren eigenen Wunsch nur einen Mann heiratet und nicht auch dessen Brüder. Ob dem jüngeren Phönkhang-Bruder diese unbeabsichtigte Schmähung geschmeckt hat oder nicht, ist nicht überliefert.

Für die Übersiedelung von Sikkim nach Tibet wird Coocoola ein winziger Tross mit zwei Hofdamen, einem Träger und zwei Pferden zur Verfügung gestellt. Noch oft wird sie diesen fast dreiwöchigen Ritt über den Nathu-La („Pass der lauschenden Ohren“) und durch das Chumbi Valley nach Gyantse und Lhasa zurücklegen und dabei den majestätischen Schneekegel des Chomolhari (7330 m) passieren.

Auch mit ihren drei Kindern (Jigme, Chimie und Sodenla), die sie im Laufe der vierziger Jahre zur Welt bringt. In der Karawane bleibt sie fast immer im Sattel – nur beim Passieren von Dörfern und Siedlungen zieht sie sich in einen Palanquin zurück – und ist stets mit einem Vorderlader und einer Luger-Pistole bewaffnet, womit sie auch umzugehen weiß. Die Gegend, besonders zwischen Phari und Gyantse, ist berüchtigt für ebenso dreiste wie wagemutige Banditen.

Sinn für Abenteuer: Coocoola mit einem Horse Man, auf dem Weg zwischen Gangtok und Chumbi.

Das Leben der Tibetischen Aristokratie in Lhasa spielt sich ab zwischen Picknicks, Festivals und tagelangen Hochzeitsfesten am Flussufer. Da sie der allerobersten Gesellschaftsschicht des alten Tibet angehört, fehlt es Coocoola an nichts. Sie lässt sich über die Händler des Barkhor modische Stoffe und Muster aus Indien und Europa kommen, liest Vogue, Claudine und Harper’s Bazaar und fertigt top-stylische Kleider für sich und ihre Freundinnen an. Dank der Anwesenheit von Filmkameras entstehen so die ersten dokumentierten Catwalk-Shows Tibets.

1942 und 1943 besucht ein Zwei-Mann-Kamerateam des Office of Strategic Services, einer Abteilung der US-Army (und Vorläufer der CIA), Sikkim und Tibet. Im resultierenden Film Inside Tibet begegnet der Betrachter gleich in der ersten Szene der siebzehnjährigen Kula, die höchst interessiert Mitbringsel der Amerikaner vor dem Palast von Gangtok inspiziert, neben ihr der britische Gesandte Sir Basil Gould.

In den in Lhasa entstandenen Szenen ( bei Minute 15:32 und 27:58) ist Coocoola mit ihrem ersten Baby am Flachdach des Phönkhang-Hauses zu sehen und später (bei 26:07) mit (leicht angeheiterter) Verwandtschaft und ihrem Mann vor dem Anwesen Tsarongs. Der Verpackung eines Geschenks der amerikanischen Filmer an den damals siebenjährigen XIV. Dalai Lama fehlt eine Schleife und so stellt Coocoola ihr Haarband aus rotem Samt zur Verfügung. Bei dem Geschenk, persönlich von Präsident Franklin D. Roosevelt ausgewählt, handelt es sich um eine wasserfeste Armbanduhr, die der jugendliche Dalai Lama später im Goldfischteich des Norbulingka-Gartens versenkt, um ihre Wassertauglichkeit zu prüfen – und nie mehr wieder findet.

Im Hause Tsarongs, mit seinem berauschend bunten Garten und einem Weiden- und Pappelhain am Kyi Chu („glücklicher Fluss“), geht Coocoola ein und aus. Tsarong Dzasa, ihr Onkel, ist ein Selfmademan und Tibetischer Volksheld, der ehemals Oberbefehlshaber der Tibetischen Armee war und als Minister hoch in der Gunst des XIII. Dalai Lama stand. Seit seinem politischen Rückzug ist er Kaufmann, Brückenbauer, Stahlimporteur, und, hinsichtlich des Feudalsystems, ein ausgesprochener Modernisierungsbefürworter.

Tsarong ist ein sehr geschäftstüchtiger und ein sehr neugieriger Mensch. Er will über die Welt außerhalb Tibets lernen und pflegt ein ausgeprägtes Interesse an allem Westlichen: Er lässt sich Fotoapparate, Theodolite, Teleskope und Zeitschriften aus New York und Europa in sein Haus kommen. Und er gewährt auch den beiden Österreichern Harrer und Aufschnaiter Unterkunft in den Gästehäusern seines weitläufigen Grundstücks, als diese nach zweijähriger Flucht durch Tibet im Frühling 1946 in Lhasa Fuß fassen.

 

Verbotene Stadt: Lhasa, 1948, mit dem Potala Palast unter blitzblauem Herbsthimmel.    Foto: Heinrich Harrer

 

Heinrich Harrer ist auf den ersten Blick in Coocoola verliebt und wird sie noch in seinen Memoiren als eine der schönsten Frauen der Welt beschreiben. In Sieben Jahre in Tibet (1952) findet sie auch Erwähnung: „Sie war von jenem unbeschreiblichen Charme der Asiatinnen, der durch die uralte Kultur des Orients geprägt ist. Zugleich war sie durchaus modern, klug und gebildet, in den besten Schulen Indiens erzogen. (…) Man konnte sich mit ihr unterhalten wie mit der geistreichsten Dame in einem europäischen Salon, sie interessierte sich für Kultur und Politik und alles, was in der Welt vor sich ging. Oft sprach sie von der Gleichberechtigung der Frauen, aber bis dahin war es noch ein weiter Weg …

Coocoola und ihre ersten beiden Kinder Chimie und Jigme in den späten vierziger Jahren.       Foto: Heinrich Harrer

… Coocoola unterschied sich von den anderen Tibeterinnen nicht nur durch ihr liebreizendes Gesicht, sondern vor allem durch ihre schlanke Gestalt, die sie nicht in mehrere Lagen dicker Stoffe verhüllte, sondern wie die Europäer eng mit bunter Seide umschloss. Wir konnten uns auf Einladungen sehen, aber kaum sprechen, und bei den Englisch-Unterrichtsstunden, die sie mir gab, waren stets Bedienstete anwesend. Sie war westlich erzogen worden und für mich wie eine Brücke nach Europa.
Wenn ich mich heute dieser Zuneigung erinnere, sind mir besonders die tibetischen Worte für meine Gefühle im Gedächtnis. Sich verlieben heißt ‘Sem schor wa’ und bedeutet ‘Seele verlieren’, eine Frau als seine Herzdame zu bezeichnen heißt ‘Nying dug’, übersetzt ‘Das Herz treffen’. Beides war wohl der Fall.“

Auch andere Schriftsteller und Reisende aus Großbritannien, den USA und aus Indien besingen ihre Begegnung mit Coocoola in höchsten Tönen. So der indische Gesandte Nari Rustomji (Autor von Enchanted Frontiers) oder der buddhistische Gelehrte Sangharakshita, der in Facing Mount Kangchenjunga über Sikkims älteste Königstochter schreibt: „Es war, als sei ein zauberhafter, tropischer Schmetterling über meinen Pfad geflattert. Coocoola verfügt über vier Eigenschaften, die man so gut wie nie in einer einzigern Frau verkörpert findet: Schönheit, Charme, Intelligenz und Lebensfreude. Und sie besitzt all diese Qualitäten in einem weitaus höherem Maß, als man sie vereinzelt in verschiedenen Frauen findet…

 

Coocoola in den späten fünfziger Jahren.      Foto: The Telegraph

 

… Mehr noch als das: Diese Eigenschaften finden Einlass in all ihre noch so kleinen, scheinbar unbedeutenden Gesten – sei es ein verwunderter Augenaufschlag unter ihren langen Wimpern, sei es die gelassene Art, mit der sie Zigarettenrauch aus ihren Nüstern bläst oder ein paar geraunte Worte in ihrer vollen, klaren und musikalischen Stimme. Nicht genug damit, verstärkt sie die Wirkung ihrer Persönlichkeit noch durch prachtvolle Kostüme, welche sie im unerschütterlichen Selbstverständnis und Wissen um ihr königliches Blut trägt. Der Effekt ist, auf subtile Art, vernichtend.“

Im Herbst 1950 erfüllen sich in Tibet die düstersten Vorahnungen des XIII. Dalai Lama und die schrecklichen Prophezeiungen der Orakel: Die militärisch hochgerüstete Großmacht China fällt in Tibet ein. In den folgenden Jahrzehnten soll architektonisch, aber auch geistig, kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Die gewaltsame Besetzung, von allen globalen Großmächten heimlich geduldet, setzt dem alten Tibet ein jähes Ende. Die jahrtausendalte, bildreiche Kultur Tibets, geprägt von einer friedvollen Innenschau des Geistes, wird verboten und die Feudalherrschaft der Klöster brutal und mit Waffengewalt ersetzt durch eine fratzenhafte Verzerrung des Sozialismus.

Freilich hätte Tibet von sich aus den Weg in die Moderne und in die Demokratie gehen müssen (eine britische Verbindungsstraße zwischen Bengalen und Lhasa hätte dabei sicherlich einen Anfang gemacht), doch die Invasion durch die sogenannte „Volksbefreiungsarmee“ Mao Zedongs ist in keiner Weise eine legitime Antwort auf dieses Versäumnis.

Im Gegenteil: Es scheint heute noch so, als hätten nicht einmal die chinesischen Militärs und Machtbonzen auch nur eine Ahnung davon gehabt, was sie an Grauen, Hungersnot und blinder Zerstörungswut über eine autochtone, zutiefst religiöse Volksgemeinschaft bringen würden. Doch natürlich ging es Mao und seinen „schrecklichen Vier“ nicht um das Glück seines oder irgendeines Volkes, sondern um Macht, Land und Bodenschätze.

Coocoola kehrt nach dem Einmarsch der chinesischen Truppen in Lhasa nach Sikkim zurück, gemeinsam mit ihrem Mann Phöntsok, der den Verlust seiner Heimat jedoch nie überwinden wird. Sie organisiert Späh- und Suchtrupps, um verstreute Freunde und Verwandte aus den Händen chinesischer Militärs in Tibet zu retten – so auch den Tiroler Agrarwissenschafter und Tibetologen Peter Aufschnaiter, der jedoch nicht gefunden wird, weil er sich, die politische Entwicklung abwartend, über den Westen Tibets nach Nepal absetzt.

Schnell wird klar, dass Tibet keine internationale Unterstützung zu erwarten hat. Eine UNO-Vollversammlung in New York entscheidet sich gegen ein Einschreiten. Die USA, in ihrem globalen Kreuzzug gegen den Kommunismus, begnügen sich damit, die tibetischen Freiheitskämpfer im Untergrund auszurüsten und auszubilden. Einer eingeschworenen Gruppe rund um Thubten Jigme Norbu, dem ältesten Bruder des XIV. Dalai Lama, wird konkrete Unterstützung durch die CIA in Aussicht gestellt, um den tibetischen Widerstand zu formen.

Coocoola beginnt als Botin von geheimen Nachrichten zwischen Delhi, Kalkutta und Lhasa zu wirken. Ihr CIA-Kontakt heißt Larry Dalley, sein Auftrag ist es Nachrichten aus dem Chumbi Valley und Sikkim zu sammeln. Ein von Dalley in Aussicht gestelltes Gehalt lehnt sie entrüstet ab. Außerdem tüftelt Coocoola an einem Weg, wie man in Ananas- und Pfirsichdosen eingelegte Lee-Enfield-Munition in die noch immer wehrhaften Klöster Tibets schmuggeln könnte.

Für einige Zeit wird diese heimliche Tätigkeit, eine Arbeit der Nacht, ein Ventil für die Verzweiflung über die Zerstörung ihrer tibetischen Heimat. Bei Tag kümmert sie sich als Vorsitzende des Relief and Rehabilitation Commitee von Sikkim um die tausenden Geflüchteten aus Tibet. Finanziert wird dieses Camp vom ersten indischen Ministerpräsident Pandit Jawaharlal Nehru, einem alten Freund der Königsfamilie von Sikkim. Mehr als zehn Jahre lang besucht Coocoola regelmäßig das Camp nahe von Gangtok, um das notwendigste – Nahrung, Medikamente, Decken und Zelte zu organisieren und jedem einzelnen ihrer vertriebenen, oft kranken Landsleute gut zuzureden und zuzuhören.

Tibetische Kinder in einem Lager für Geflüchtete; Gangtok, ca. 1960. Foto: LIFE

Doch auch um die politische Eigenständigkeit von Coocoolas erster Heimat, Sikkim, ist es seit dem Abzug der Briten aus Indien alles andere als gut bestellt: Nach der indischen Unabhängigkeit von 1947 wird das alte Königreich Sikkim zwar wieder selbstständig, doch bereits 1950 wird Chögyal Tashi von Indien gezwungen, erneut einen Schutzvertrag zu unterzeichnen, andernfalls würde Sikkim gewaltsam annektiert. Für Verteidigung und Außenpolitik soll von nun an Indien zuständig sein. Als Währung wird weiterhin die Indische Rupie gehandelt. De jure bleibt Sikkim ein souveräner Staat, de facto aber ein indisches Protektorat und ein Buffer zum mächtigen China, das nach der Einverleibung Tibets nun auch nach dem ehemals tibetischen Kronland Sikkim schielt – als exotisch-exquisites Dessert.

In den fünfziger Jahren verbringt Coocoola die meiste Zeit in Gangtok und in Kalkutta (heute Kolkata), jener Millionenstadt in Westbengalen, in deren riesige, blaugrüne Bucht sich die beiden Himalaya-Flüsse Ganges und Brahmaputra ergießen. Ebenfalls in Kalkutta lernt sie Schmuckstein-Design und gründet u. a. mit Kula eine Firma für den Import iranischer Türkise. Der Türkisstein ist einer der wichtigsten Schmucksteine der Tibeterinnen. Somit verbindet sie Geschäftssinn mit kulturellem Überlebenskampf: Die tibetische Kultur ist seit dem Einmarsch der Chinesen in höchster Gefahr.

Nehru stellt Coocoola eine Staatspension in Aussicht, die sie dankend ablehnt. Anstelle dessen bittet sie um Handelsrechte und Einfuhrlizenzen für Edelsteine, die sie an Uhrenhersteller weiterverkauft. Durch den Erfolg ihres Unternehmens verdient sie nicht nur viel Geld, sondern auch die Achtung der Staatsbank von Sikkim, deren Vorstand sie in späteren Jahren beitreten wird. Zum Reichtum hat sie eine Distanz auf Armlänge: „Money didn’t make me – I made money. (Geld hat mich nicht gemacht – ich habe Geld gemacht)“.

In Kalkutta besitzt sie bald eine stets besonders kühl klimatisierte Wohnung mit großen braunen Fauteuils, wertvollen Kommoden, Thankas (Wandgehängen mit Motiven aus dem Götterhimmel Tibets) und Familiensilber. Ihr aristokratischer Status wird betont durch goldenes Geschirr und Besteck, das bei Tisch ausschließlich ihr vorbehalten ist. Ihre Nobilität ist von den Göttern gegeben. Sie verkörpert sie mit jeder Faser und lässt niemanden auch nur für einen Moment daran zweifeln. Wann immer Coocoola Gäste empfängt, und das ist sehr oft der Fall, lässt sie die feinsten Weine in wuchtigen Dekantern und Delikatessen auftischen. Auf ihrem in Edelholz gefassten Philco-Plattenteller rotieren Cool Jazz, Nat King Cole, Eartha Kitt, Winifred Atwell und Chuck Berry.

Bei indischen Geschäftsleuten, europäischen Reisenden und amerikanischen Diplomaten ist sie beliebt als großzügige Gastgeberin ausgelassener Feste. Bei diesen Parties ist Sikkim und seine bedrohte Unabhängigkeit oft ein Thema. Es gilt nun, das Land und die Kultur Sikkims im internationalen Bewusstsein zu verankern, und somit auch die monarchische Position der Namgyal-Familie zu erhalten. Diese Berufung spürt Coocoola noch stärker als ihr ohnedies schon unabwegbarer älterer Bruder Thondup, der Kronprinz.

 

Coocoolas Bruder, Palden Thondup, Kronprinz von Sikkim (l.) und Tenzin Gyatso, der XIV. Dalai Lama nach dessen Flucht aus Tibet, Gangtok, April 1959. Foto: LIFE/Keystone

 

Ganz konkret entsteht in Gangtok, mit Hilfe von befreundeten und verwandten Geistlichen der Klöster Pemayangtse und Rumtek, ein Ort, an dem die Dokumentation und Erforschung der tibetischen Kultur in Sikkim und seinen insgesamt etwa 70 buddhistischen Klöstern gut aufgehoben ist und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll: Das Namgyal Institute of Tibetology. Den Grundstein für das Gebäude legt im Februar 1957 der Dalai Lama, die Einweihungsrede im Oktober 1958 hält Indiens Prämierminister Nehru.

Das Namgyal Institute beherbergt Schriften des Mahayana-Buddhismus, ein umfangreiches (mittlerweile teilweise digitalisiertes) Foto-Archiv und religiöse Gegenstände.

Coocoola selbst gelingt es, als Beitrag für die Bibliothek einige seltene tibetische Manuskripte und Kopien ausfindig zu machen, darunter die Legende des Königs Gesar von Ling und die ungekürzte Biografie von Drukpa Künley (ein heiliger Narr, Dichter und tantrischer Yogi, der um 1500 herum half, den Buddhismus in Bhutan zu verbreiten, und dabei ganz ungeniert dem Bier und den Frauen zusprach), in all ihrer expliziten Frivolität, wie sie in einer Jubiläumsschrift des Institutes anmerkt: „Nach der Anschaffung dieses Buches stieg die Besucherzahl der Bibliothek steil an.“

Doch auch auf diplomatischen Wegen versucht Coocoola Sikkims Eigenständigkeit zu bewahren. Sie agiert und urgiert im US-Konsulat von Kalkutta und in Delhis Korridoren der Macht. Es wäre nicht weit hergeholt, zu sagen, dass Prinzessin Coocoola so etwas wie die Außenministerin und Kulturministerin ihres kleinen Himalaya-Landes ist. In Delhi lässt sie das Sikkim House restaurieren und in neuem Glanz erstrahlen.

In seiner Analyse Peking versus Delhi (1963) erinnert sich George Patterson an Coocoola als „eine äußerst attraktive Dame, der es beliebt, nach Art französischer Marquisen des 18. Jahrhunderts Politik zu betreiben. Ihr beachtlicher Charme und ihre Freunde in hohen Positionen bringen ständig neue und unerwartete Strategien zutage, um die ohnedies verworrene augenblickliche Lage in Sikkim noch weiter zuzuspitzen.“

Nehru erwähnt in einer militärischen Korrespondenz die strategisch wichtige Position des Chumbi-Tales jenseits des Nathu-La für ein expansionslüsternes China und beschreibt es als einen Dolch, der genau nach Südwesten, ins Herz Indiens ziele, und dringend entschärft werden müsse. Nehru, der stets eine schützende Hand über Sikkims Eigenständigkeit hält, stirbt 1964. Obgleich seine Tochter Indira Gandhi (Indiens Prämierministerin ab 1966) in ihrer Jugend ebenfalls ein oft gesehener Gast in Gangtok war, umfasst die schützende Hand des Mutterlandes das kleine Königreich von Jahr zu Jahr fester.

Die indischen Garnisonen im geopolitischen Hotspot Sikkim vervielfachen sich deshalb im Laufe der sechziger Jahre, auch deshalb, weil ein Eingreifen Chinas in den Ostpakistanischen Konflikt zu erwarten ist, was letztendlich nicht passiert. Doch 1962 fallen am Nathu-La Schüsse und China beginnt eine wütende Zerstörung der indigenen Kultur Tibets, die zu neuen Fluchtwellen aus Tibet nach Sikkim und Indien führt. Es ist dies die düstere Epoche der „Kulturrevolution“, die Fosco Maraini später als „die Jahre des Feuers und der Scheiße“ bezeichnet.

Gleichzeitig verliert das Königreich Sikkim auch von innen an Stabilität. Zunächst durch den massenhaften Zuzug von kräftigen, arbeitswilligen Arbeitern aus Indien und aus dem benachbarten Nepal, das schon lange ein Auge auf Sikkim geworfen hat, um es als Teil eines postulierten Gorkhaland zu besiedeln. Der Bevölkerungsanteil der Nepalesen in Sikkim wird im Vergleich mit den anderen Volksstämmen der tibetischen Denjongpka (Buthia) und Lepcha immer größer und erreicht um 1966 etwa 75%. Nepali ist bereits die meistgesprochene Sprache Sikkims. Die Individualität und Identität des Landes ist also nicht nur aus Außensicht eine fragliche.

 

Sikkims Bergwelt mit buddhistischen Flaggenstangen (Darchog). Foto: Desmond Doig

 

Dazu kommt noch eine erstarkende sozialistische und antimonarchistische Bewegung, die, von Kalimpong ausgehend, Sikkim infiltriert. Die Fadenzieher dahinter sind der Kazi (Minister) und seine Frau, die Kazini von Chakung. Er, ein patriotischer Provinzpolitiker der National Congress Party; sie, eine in Fuchspelz gehüllte Hasardeurin und Journalistin schottischer Abkunft, die in Burma mit George Orwell Gin getrunken haben soll.

Mit spitzer Feder und einem ausgeprägten Hass auf das Haus Namgyal, sieht sich die Kazini bereits als First Lady eines unabhängigen Sikkim, ohne dem theokratischem Brimborium einer tibetischen „Sklaventreiberfamilie aus dem 16. Jahrhundert“. In ihren Kolumnen für den Himalayan Observer spottet sie über Thondup (und soll über ihn schon bald noch viel mehr Grund zu spotten haben) und adressiert Coocoola auschließlich als Mrs. Phönkhang. Eine natürliche Feindschaft ist geboren.

Die von der Kazini in die Welt gesetzten Gerüchte und ihre über den indischen Nachrichtendienst gespielten Intrigen zerfressen langsam die Unterstützung des buddhistischen Königshauses durch das Volk Sikkims, das zunehmend aus Hindus besteht. Thondup weiß seit seiner Jugend, dass er schlechte Karten vom Schicksal erhalten hat, was ihn nicht davon abhält, zu versuchen, mit Ausdauer, Willensstärke, Galgenhumor und Momenten echter Zuversicht das Blatt zu wenden.

Im Dezember 1963 stirbt der malende Monarch, Tashi Namgyal. Bis zuletzt bleibt der sterbende König gelassen und erkundigt sich bei allen im Raum, einschließlich der Ärzte, nach deren Wohlbefinden. Es ist Coocoola, die bis zu seinem letzten Atemzug beim Vater bleibt und darauf achtet, dass alle Rituale eingehalten werden, um eine wohlbehütete Weiterreise seiner Seele zu gewährleisten.

Im selben Jahr heiratet Thondup die blutjunge amerikanische Orientalistik-Studentin und High-Society-Debütantin Hope Cooke, die er im wohlfeilen Windamere Hotel in Darjeeling kennengelernt hat. Sie ist ihm wegen ihres rotbraunen Haars, ihrer extra-langen Lidstriche und ihres österreichischen Dirndlkleides aufgefallen. Thondup ist sich sicher, in ihr eine würdige Prinzgemahlin gefunden zu haben. Erst 1965 besteigt er den Thron Sikkims – von einem früheren Zeitpunkt haben ihm die Astrologen abgeraten. Aus erster Ehe mit der Tibeterin Samyo Kusho Sangideki, die 1957 verstorben ist, bringt Thondup zwei Söhne und eine Tochter mit in die Verbindung. 1965 wird Hope Mutter eines Jungen, drei Jahre später folgt eine Tochter nach. Es ist eine Ehe, die im familiären Umkreis auf gemischte Reaktionen stößt.

Während Hope eine dicke Freundschaft mit Kula beginnt, hat sie bei Coocoola einen deutlich schwereren Stand. Coocoola weiß, dass das letzte, was die strauchelnde Monarchie Sikkims jetzt braucht, eine verträumte, chronisch flüsternde Frühzwanzigerin aus New York City ist. Aber das würde sie natürlich nie sagen. Und obwohl ihr Hope als Person nicht unsympathisch ist, kann sie manchmal nicht anders, als sich von ihrer grausamen Seite zu zeigen.

Gleich zu Beginn ihres Einzugs in Gangtok passiert Hope Cooke ein Malheur. Da sie Alkohol nicht so gewohnt ist wie ihr feiernder Prinz, gibt sie in der Eingangshalle des Palastes alles wieder von sich. Als Hope sich am Tag darauf tief beschämt entschuldigt, nimmt Coocoola sie an beiden Händen und sagt mit seidiger Stimme: „Ach, mach dir deshalb keinen Kopf, Hope-La. Benimm dich hier ganz so, als wärst du bei dir zu Hause.“

Hope weiß nicht, ob sie die Worte ernst nehmen oder als passive Aggressivität werten soll: „Ich hatte keinen Schimmer, was ich darauf antworten sollte. ‘Nein, ich übergebe mich nie in meinem eigenen Haus, nur in den Häusern anderer Leute’? Ich war wie versteinert und konnte meine Hände nicht wegziehen.“ Von da an kann Hope ihrer Schwägerin nur mehr unter Einnahme von Valium unter die Augen treten.

Hochzeit im Himalaya: Hope Cooke in weiß, dahinter v.l.n.r.: Kula, Coocoola, Thondup und sitzend, Chögyal Tashi Namgyal. Am Boden, die Söhne Thondups, Wangchuk und Tenzing.  Foto: National Geographic

In ihrer klug und nachvollziehbar geschriebenen Autobiografie Time Change (1980) schreibt Hope Cooke über Coocoola: „Sie ist oft süß zu mir, aber ich weiß nicht, ob sie es nur ihrem Bruder zu Liebe ist. Ich habe den Verdacht, sie sieht mich als exzentrischen Beatnik, womöglich sogar als Abenteurerin. Ich habe Ehrfurcht vor ihr, aus mehreren Gründen; erstens ist sie so hinreißend schön und sophisticated, dass ich mir neben ihr oft wie ein Trampel vorkomme. Obwohl sie nie etwas Böses sagt, ist sie manchmal voller Wut – hart und blitzend wie ein Diamant. (…) Aber auf jeden Fall ist sie eine fantastische Frau.“

Im März 1963 heiraten Thondup und Hope in einer international aufsehenerregenden Zeremonie, die unter dem medienwirksamen Motto „Amerikanerin wird Himalaya-Königin“ für Furore in Magazinen (LIFE, National Geographic, Le Monde, etc.) rund um die Welt sorgt. Bei der Hochzeit ist es Coocoola, die mit Beehive und in Gold-Lamé gehüllt, für Furore sorgt, und ihre Prostrationen vor der neuen Königin Sikkims möglicherweise allzu dramatisch gestaltet.

Doch es dauert nicht lange, bis die beiden so unterschiedlichen Frauen ihre Kräfte bündeln, um gemeinsam Sikkims kulturelle Identität in die Welt hinauszutragen. Die Teilnahme Sikkims an internationalen Handwerksmessen und Ausstellungen für traditionelle Gewänder aus aller Welt, sowie ein Interview, das Coocoola bei einem Aufenthalt 1967 in London dem BBC Radio gibt, erhöhen den Wiedererkennungswert ihrer Heimat im Wettkampf um politische Aufmersamkeit.

Prinzessin Coocoola, 1967, in London.

Mit einer US-Amerikanerin im Palast von Gangtok, gewinnt das winzige Land an Exposé auf dem internationalen Parkett, doch durch die expansive Politik Indira Gandhis und die totalitäre kommunistische Herrschaft der Chinesen in Tibet steigt der Druck im innenpolitischen Dampfkochtopf Sikkim. Die schreibende Kazini in Kalimpong hat mit der „importierten Königin aus Manhattan“ eine frische Zielscheibe für ihre giftigen Tiraden gegen den monarchischen Status Sikkims.

Doch auch persönlich bricht für Coocoola mit dem Ende der sechziger Jahre eine schwere Zeit an. 1969 erliegt ihre Schwester Kula mit nur 43 Jahren einem Tumor. 1973 stirbt Coocoolas Mann und sie selbst erkrankt an einer schleichenden Durchblutungsstörung im linken Arm, wahrscheinlich durch das Rauchen seit früher Jugend verursacht. Nach einem quacksalberhaften Eingriff muss ihr die linke Hand amputiert werden, was weitreichende Auswirkungen auf das Selbstbild dieser schönen, eleganten Frau hat.

Twist of Fate: Coocoola und John Kenneth Galbraith bei einer Party ca. 1963. Galbraith war Berater Präsident Kennedys und Diplomat höchsten Ranges.   Foto: Letizia Battaglia / National Geographic

In den frühen siebziger Jahren baut sich der politische Druck in Sikkim so weit auf, dass durch die Vorarbeit des indischen Geheimdienstes (mittels Bestechung organisierte Aufstände, Straßensperren und Streiks) nur mehr ein Schritt für das indische Militär zu tun ist. Coocoola, gerade in Hongkong, um Einkäufe für die Hochzeit ihrer zweiten Tochter zu besorgen, ruft zu einer spontanen Pressekonferenz, in der sie dem Geheimdienst Indira Gandhis und besonders einem Beamten des BIS, Tejpal Singh, die Schuld am Aufruhr in Gangtok gibt.

Schon lange hat sich die diplomatisch vernetzte Coocoola beim indischen Nachrichtendienst Feinde geschaffen. Kayatyani Shanker Bajpaj, der vorletzte Dewan (ein von Indien eingesetzter politischer Offizier) von Sikkim nennt sie „The Dragon Lady“. Schließlich wird Coocoolas Bungalow, der ihr und ihrer Familie seit der Flucht aus Tibet Unterkunft war, von den indischen Behörden beschlagnahmt. Ihr vertrauter Leutnant und Bote, Thupten Geley, wird in Gangtok abgefangen, verhört und ohne Verhandlung in ein westbengalisches Gefängnis geworfen.

Anfang April 1975 findet Coocoola ihre Wohnung in Kalkutta systematisch durchwühlt vor; alle Türen und Schubladen sind mit geheimnisvollen, sternförmigen Wachssiegeln versehen. Bei ihrem nächsten Aufenthalt in Delhi wird sie zwei Stunden lang vom IIB verhört und im Sikkim House eine Woche lang unter Hausarrest gesetzt – während die indische Armee die spärliche Leibgarde des Palastes in Gangtok überwältigt. Alle elf Telefonverbindungen zum Sikkim House sind – wenig verwunderlich – abgeschnitten. Unterdessen wird ihr Bruder Thondup mit Hope und den Kindern im Palast festgesetzt und belagert.

Am 16. April 1975 wird der Chögyal durch ein Referendum entmachtet und Sikkim als 22. Staat in die indische Union eingegliedert. Hope und ihren beiden Kindern gelingt es, Sikkim zu verlassen, scheinbar um einen ihrer vielen Besuche in New York zu machen – nur kommt sie diesmal nicht mehr zurück. Durch Thondups zahlreiche Affären ist die Beziehung der beiden ohnedies am Ende. Alleine bleibt Thondup zurück – ein entmachteter Monarch und funktionierender Alkoholiker.

 

Der königliche Palast von Gangtok.

 

Er verbringt, vollbärtig und dick geworden, noch mehrere Monate im Palast, wo er seine Zeit mit Rasenmähen und Fußballspielen verbringt, bevor er sich nach Kalkutta absetzt. Als wäre es der Tragödie noch nicht genug, stirbt sein ältester Sohn Tenzing 1978 mit nur 26 Jahren bei einem Autounfall. Somit ist wieder ein Chöla (erstgeborener Sohn) der Namgyal ausgelöscht. 1982 stirbt Palden Thondup Namgyal, der zwölfte und letzte König von Sikkim, in einem New Yorker Krankenhaus – ein guter Mann mit einem schwierigen Schicksal.

Die genaueste und unterhaltsamste Aufarbeitung der letzten Jahre Sikkims als Königreich: Andrew Duff ::: Sikkim – Requiem For A Himalayan Kingdom; Birlinn Ltd., Edinburgh, 2015.

Es scheint die Erfüllung einer Prophezeiung oder eines Fluches, wie Coocoola in einem Interview über ihre Familie meint: „In Tibet nennt der Volksmund solch einen Fluch ‘Sih’. Erzeugt wird seine Wirksamkeit durch schwarze Magie. Danach muss er geschickt verborgen werden.
Man kann das Sih auf jemandes Schuh oder auf einen Gegenstand in seinem Haus legen. Ist das gelungen, muss man den Fluch nähren, durch komplizierte Rituale und Mantras ausbrüten – und wenn er reif ist zur vollen Entfaltung bringen. Doch solch ein Sih lastet bei weitem nicht nur auf unserer Familie.“

Coocoola lebt nach der Annexion Sikkims zurückgezogen in einem Cottage bei Gangtok. Es ließe sich darüber spekulieren, ob sie als Regentin Sikkims Eigenständigkeit bewahren hätte können – würde das monarchische System eine Herrscherin zugelassen haben. Möglicherweise wäre sie aber von militärischen Kräften beseitigt worden, hätte sie eine machtvollere Stellung in diesem politischen Spiel der Kräfte eingenommen.

Sie empfängt weiterhin Gelehrte, Himalaya-Forscher, Diplomaten und Journalisten und bleibt bis ins hohe Alter von 84 mit den Geschehnissen in der Welt aufmerksam verbunden. Die schweizer Tibetologin Dr. Anna Balikci-Denjongpa hat Gelegenheit, die Freundschaft der hoch betagten Coocoola zu gewinnen und mit ihr am Namgyal Institute of Tibetology zusammenzuarbeiten. Als die Arbeit an einem ethnologischen Buch über Sikkim abgeschlossen ist, lässt es sich die Prinzessin nicht nehmen, zur Feier eine Flasche Champagner zu öffnen.

Am 2. Dezember 2008 stirbt Coocoola in Kalkutta. Am Morgen ihres Hinüberdämmerns sind vier Erdbeben in den Bergen Sikkims spürbar, was als Zeichen für die Abreise einer bedeutenden Seele gedeutet wird. Zur Feuerbestattung am Lukshyama Hill, der Ruhestätte der Namgyal, begleiten sie Angehörige aller ethnischen und sozialen Gruppen Gangtoks, um Abschied zu nehmen von einer Konsortin der Götter und einer tapferen Kriegerin des Dharma, dessen großes Rad sich immerfort weiterdreht.

So wie das Rad der Zeit, das erst dann zur Ruhe kommen wird, wenn alle Königreiche bis auf das des Herzens zerfallen sind, sich alle Schicksale erfüllt haben werden und sich das Universum zu Sternenstaub auflöst, gleich einem kosmischen Mandala. Bis dahin thront weiterhin an klaren Wintertagen der Kangchendzönga in all seiner himmlischen Pracht über den dunkelgrünen Hügeln Sikkims und verschwindet bei Monsun hinter weißen Wolken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BONUS

 

Entstehungslegende des Tibetischen Volkes

Götter lieben es, sich an andere Formen zu wandeln, nicht nur in den klassischen Sagen des alten Griechenland, in den Erzählungen der amerikanischen Ureinwohner und im kosmischen Chaos-Haushalt des Hinduismus.

So auch in der Tibetischen Gründungslegende: Hinter den beiden wilden Geschöpfen des Affen und der Dämonin verbergen sich nämlich der grundgütige Chenrezig, Bodhisattva des Mitgefühls (in seiner Sanskrit-Form auch Avalokiteshvara genannt) und seine – noch – bessere Hälfte Jetsün Dölma. Dölma ist auch als Tara bekannt und wird in all ihren 21 Ausprägungen, Farben und Wirkkräften von Buddhisten verehrt.

Chenrezig, oder Avalokiteshvara, der Bodhisattva des Mitgefühls.

Wenn nicht gerade in Gestalt einer Dämonin in rasende Wolkenfetzen gehüllt und auf Berggipfeln ravend, ist Dölma eine eher zurückhaltende, praktisch denkende Gottheit, barmherzig, voll der Zuwendung für ihre Lieben und stolz auf ihre Weiblichkeit: Als ein spöttischer Mönch ihr einmal rät, im nächsten Leben als Mann wiedergeboren zu werden, denn nur so könne man die letzte Erleuchtung erlangen, schwört sie sich von da an, nur mehr als weibliches Wesen zu reinkarnieren.

Als der Buddha des Mitgefühls und die Göttin der Güte auf dem Tibetischen Plateau aufeinandertreffen, sind beide bereits hohe Geistwesen, doch unerlöst. Da entsteht zwischen ihren Körpern ein dreifacher Regenbogen und sie sehen sich tief in die Augen. Und damit sie sich in ihrer vorbildhaften Reinheit als heilige Wesen voreinander nicht zu schämen brauchen, lässt der eine den Affen raus und die andere die Dämonin. Wir kennen das Gefühl.

Verkörperung der weiblichen Intuition: Die grüne Tara (Thanka aus dem 13. Jh.; Tibet).

Da es bis zum Nirvana noch dauern kann, einigen sie sich nicht nur darauf, himmlische Liebesspiele zu spielen und sechs Kinder miteinander zu haben, sondern damit auch gleich ein ganzes Volk zu zeugen. Doch obwohl der Affe und die Dämonin sich rührend um ihren Nachwuchs kümmern, verweigert dieser sowohl Affen-, als auch Dämonennahrung. Auch das ist Menscheneltern von heute nicht unbekannt.

Erst als plötzlich ein Feld voll Hochlandgerste aus der rohen Erde sprießt und die Ähren sich zu Tsampa-Mehl wandeln, kann der Hunger der Kinder gestillt werden. Von nun an sind die Kinder des Affen und der Dämonin wahrhaftige Tibeter.

 

 

 

 

Quellen und Literatur:

Thomas Laird ::: The Story of Tibet
Melvyn Goldstein ::: A History of Modern Tibet
Tsering Yangdzon ::: The Aristocratic Families in Tibetan History 1900 – 1951
David L. Snellgrove, Hugh Richardson ::: A Cultural History of Tibet
Hugh Richardson ::: High Peaks, Pure Earth
Fosco Maraini ::: Secret Tibet
Heinrich Harrer ::: Sieben Jahre in Tibet
Heinrich Harrer ::: Das alte Lhasa – Bilder aus Tibet
Heinrich Harrer ::: Mein Leben
Martin Brauen (Hrsg.) ::: Peter Aufschnaiter – Sein Leben in Tibet
Jan Boon ::: Wo der Wind betet
Günter O. Dyhrenfurth ::: Das Buch vom Kantsch
René de Nebesky-Wojkowitz ::: Oracles and Demons of Tibet
J. R. Subba ::: History, Culture & Customs of Sikkim
Anna Balikci-Denjongpa ::: Lamas, Shamans and Ancestors
Brajbir Saran Das ::: The Sikkim Saga
Nari Rustomji ::: Enchanted Frontiers
Nari Rustomji ::: Sikkim, a Himalayan Tragedy
Marco Pallis ::: Sikkim
Marco Pallis ::: Peaks and Lamas
Sangharakshita ::: Facing Mount Kanchenjunga
H.H. the XIV. Dalai Lama ::: Freedom in Exile
Namgyal Lhamo Taklha ::: Born in Lhasa
Dasang Dandul Tsarong ::: In the Service of His Country
Sunanda K. Datta-Ray ::: Smash & Grab: Annexation of Sikkim
Andrew Duff ::: Sikkim – Requiem for a Himalayan Kingdom
Hope Cooke ::: Time Change
V.P. Menon ::: Sikkim’s Story of Integration
George N. Patterson ::: Peking versus Delhi
Charles A. Bell ::: Manual of Colloquial Tibetan
Patrick French ::: Tibet, Tibet
Jaroslav Poncar, John Keay ::: Tibet – Tor zum Himmel

Zeitschriften und Magazine:

The Telegraph
The Telegraph India
Himalayan Observer
National Geographic (März 1963)
Life

Websites:

Phayul
Tibetan Who’s Who
Treasury of Lives
The Royal Forum
The Diplomat
Literary Review
Bulletin of Tibetology
Namgyal Institute of Tibetology

 

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